Humans of New Work

Max Neufeind

Forscher, Dozent und Berater zur Zukunft der Arbeit

Wednesday May 30th, 2018
Anna Bidowetz


Max Neufeind is drawn to the themes of the 21st century. As a researcher, lecturer, and consultant, he deals with psychological, sociological, and economic issues related to the topic of the future of work. In his daily work, he continually jumps between levels of abstraction, from a macro outlook, “What are net labor market effects of artificial intelligence on the German economy”, to very specific problems, “How do we design the working time models in a nursing home so that it’s more comfortable for employees? “. The constant interweaving of these different levels is what makes his work the most fun and attractive for him. In his actions, he’s not pursuing an explicitly formulaic purpose, but he is seeking a grander vision.
“I want to live in a society that is egalitarian in shape – that all people feel that the work they do has something to do with them and has social recognition. At the same time, the result should be an economic model with which we can prove our value as an economy in international competition. Bringing both together is my vision.”
For him, work is not equal to gainful employment. Instead, for Max, work means “acquiring the world.” He tries to understand the world through the lens of work. He often wonders, “How do we create a society in which everyone can develop, make a contribution, feel useful and at the same time have the feeling of being recognised by society?”. He’s interested in where that succeeds and where it does not. When it comes to the questions that Max deals with on a daily basis, it is hardly surprising that his work is not just about self-actualisation. Rather, he ties in the ancient concept of “Eudaimonia”, which focuses on meaning and self-realisation and defines well-being in terms of the degree to which a person is fully functioning.
“Every human being has a certain ability within, a certain attitude towards the world, a certain form of acquiring the world. When this unfolds, it is for me a realisation of the self in the Eudaimonian sense.”
Against the backdrop of rapid technological developments, Max wants to develop societal solutions that will benefit as many people as possible. He demands that the future of work be thought and shaped more consistently by humans instead of just talking about the need for adaptation of people to technology and the resulting work organisation.
“‘Technology takes over work package A, B and C. D remains for a human being.’ That would be not enough for me. Our economic system is obliged to offer meaningful and holistic fields of activities to as many people as possible. Of course, we should use technology to relieve people. But it has to be experienced for the individual to play a significant role in a society based on the division of labour. The challenge is to design technology in such a way that the meaning of the human being is valued rather than devalued.”
He sees fundamental changes in how work is organised and what will be the contribution of man to the value creation process. While in the old logic of the first machine age the diversity of people was undesirable and had to be reduced by means of management, in the coming second machine age the diversity becomes central to organisations. When much of what is explicable and codifiable is taken over by machines, then, above all, man needs something that is not routine, that has to do with the individual personally – his empathy, his creativity, his judgment. For him, finding the right control logic for this new world is a crucial challenge for organisations.
“In an age of intelligent machines, people’s subjectivity is becoming increasingly important. The unique and authentic will be a central asset in the future. For organisations, this means focusing on people and their idiosyncrasy. To recognise and embrace creative peculiarities. Translating this attitude into the logic of the organisation is a clear challenge. A much bigger challenge than simply introducing new technologies.”
Max rejects the idea that technology would predefine our future world of work. Instead, he believes we should think about how we can use technological opportunities to develop corporate, business, and employment models within digitalised capitalism that meet our ethical principles. On the one hand, this requires a better understanding of technology in the broader population. Above all, the courage “to play around with the Legos of technology to develop models that fascinate us not only concerning their growth potential but also say socio-politically.”
Max Neufeind mag es, sich den zentralen Themen des 21. Jahrhunderts zu stellen. Als Forscher, Dozent und Berater beschäftigt er sich mit psychologischen, soziologischen und ökonomischen Fragestellungen rund um das Thema „Zukunft der Arbeit“. In seiner täglichen Arbeit springt er dabei ständig zwischen den Abstraktionsebenen – von der Marko-Ebene: „Was sind Netto-Arbeitsmarkteffekte von künstlicher Intelligenz auf die deutsche Volkswirtschaft“, hin zu sehr konkreten Problemstellungen: „Wie gestalten wir in einer Pflegeeinrichtung die Arbeitszeitmodelle so, dass es für die Beschäftigten angenehmer ist?“. Das kontinuierliche Verweben dieser unterschiedlichen Ebenen ist das, was ihm an seiner Arbeit am meisten Spaß macht und auch den Reiz für ihn darstellt. Er verfolgt in seinem Tun keinen explizit formulierten Purpose. Aber er verfolgt eine große Vision:
„Ich möchte in einer Gesellschaft leben, die egalitär in der Gestalt ist, dass alle Menschen das Gefühl haben, dass die Arbeit, die sie tun, mit ihnen etwas zu tun hat und gesellschaftliche Anerkennung erfährt. Zugleich sollte am Ende ein Wirtschaftsmodell dabei herauskommen, mit dem wir uns als Volkswirtschaft im internationalen Wettbewerb bewähren. Das beides zueinander zu bringen, das ist meine Vision.“
Für ihn ist Arbeit daher auch nicht gleich Erwerbsarbeit, vielmehr bedeutet Arbeit für ihn „sich die Welt anzueignen“. Er selber probiert, die Welt durch die Linse der Arbeit zu verstehen. Max fragt sich: „Wie schaffen wir eine Gesellschaft, in der jeder sich entfalten kann, einen Beitrag leisten kann, diesen selber als sinnvoll empfindet und zugleich das Gefühl hat, dafür Anerkennung von der Gesellschaft zu erfahren?”. Ihn interessiert, wo genau das glückt und wo eben nicht. Bei den Fragestellungen, mit denen Max sich tagtäglich beschäftigt, ist es nur wenig verwunderlich, dass es ihm in seiner Tätigkeit nicht einfach nur um „Selbstverwirklichung“ geht. Vielmehr bringt er einen Begriff der antiken Philosophie ins Spiel: „Eudaimonie“. Hiermit beschreibt er ein Glücksgefühl oder Wohlbefinden, das darauf basiert, als Mensch ideal zur Verwendung zu kommen.
„Jeder Mensch hat in sich angelegt eine bestimmte Befähigung, eine bestimmte Haltung zur Welt, eine bestimmte Form, sich die Welt anzueignen. Wenn die zur Geltung kommt, zur Entfaltung kommt, das ist für mich eine „Verwirklichung des Selbst“ im eudaimonischen Sinne.“
Vor dem Hintergrund rasanter technologischer Entwicklungen möchte Max gesellschaftliche Lösungen entwickeln, die für möglichst viele Menschen tragen. Er fordert dabei, dass die Zukunft der Arbeit konsequenter vom Menschen aus gedacht und gestaltet werden müsse statt nur über Anpassungsbedarfe des Menschen an Technologie und die daraus resultierende Arbeitsorganisation zu sprechen.
“Das Prinzip “Technologie kann Arbeitspaket A, B, C übernehmen, D bleibt übrig und das macht dann der Mensch”, das wäre mir zu wenig. Unser Wirtschaftssystem steht in der Pflicht, möglichst vielen Menschen sinnstiftende Tätigkeiten und ganzheitliche Betätigungsfelder anzubieten. Natürlich sollten wir Technologien nutzen und den Menschen entlasten. Aber es muss für den Einzelnen erlebbar bleiben, in einer arbeitsteiligen Gesellschaft eine bedeutsame Rolle zu spielen. Die Herausforderung ist, Technologie so zu gestalten, dass die Bedeutung des Menschen eher aufgewertet als abgewertet wird.“
Max sieht grundlegende Veränderungen darin, wie Arbeit organisiert wird und was der Beitrag des Menschen zum Wertschöpfungsprozess sein wird. Während in der alten Logik des ersten Maschinenzeitalters die Unterschiedlichkeit von Menschen unerwünscht und mittels Management zu reduzieren war, wird im kommenden zweiten Maschinenzeitalter die Unterschiedlichkeit von Menschen zum zentralen Asset für Organisationen. Wenn vieles, was explizierbar und kodifizierbar ist, von Maschinen übernommen wird, dann braucht es den Menschen vor allem für das, was nicht Routine ist, was mit dem einzelnen Menschen persönlich zu tun hat: seine Empathie, seine Kreativität, seine Urteilskraft. Für diese neue Welt die passende Steuerungslogik zu finden, sieht er als eine zentrale Herausforderung für Organisationen.
„In Zeitalter intelligent agierender Maschinen kommt es immer mehr auf die Subjektivität von Menschen an. Das Einzigartige und Authentische wird zukünftig ein zentrales Asset sein. Das heißt für Organisationen, den Menschen und seine Idiosynkrasie in den Mittelpunkt zu stellen. Seine eigentümliche Schaffenskraft zu erkennen und zu umarmen. Diese Haltung in die Steuerungslogik einer Organisation zu übersetzen, das ist eine krasse Herausforderung. Eine viel größere Herausforderung als die schlichte Einführung neuer Technologien.“
Die Idee, dass Technologie unsere zukünftige Arbeitswelt vordefinieren würde, weisst Max zurück. Vielmehr sollten wir darüber nachzudenken, wie wir technologische Möglichkeiten nutzen können, um im digitalisierten Kapitalismus Unternehmens-, Geschäfts- und Beschäftigungsmodelle zu entwickeln, die unseren ethischen Prinzipien entsprechen. Dies setze zum einen ein besseres Verständnis für Technologie in der breite der Bevölkerung voraus. Vor allem aber den Mut „mit den Legosteinen der Technologie herumzuspielen und Modelle zu entwickeln, die uns nicht nur in Bezug auf ihre Wachstumspotenziale faszinieren, sondern zu denen wir auch auch gesellschaftspolitisch ja sagen können.”
Like us and follow us:

More stories

Navigation button